Erster Tag (Alexandra Schedel)


10.06.2010

In einer gemütlichen Runde im Gasthaus „Bräustüberl“ in Füssen gab Hildegard Afsali den Startschuss für das 9. Treffen der „Freunde König Ludwig II.“ in Füssen.

Wie jedes Jahr um den Todestag König Ludwig II. von Bayern (13.06.)  trafen sich die Königstreuen auch dieses Jahr wieder in Füssen. Sie reisten aus allen Regionen Deutschlands und selbst aus Flandern (Belgien) an, um dem unvergessenen König zu gedenken und zu huldigen.

Der Nachmittag begann um vier Uhr mit der Vorstellung von Hildegard A., welche die Organisation von Sandra Borkowsky übernommen hat.

Den ersten Abend des Treffens der „Freunde König Ludwig II.“ gestaltete Dr. Ludwig Kirzinger mit einem Beitrag zu dem Thema „Der Psychische Zustand von König Ludwig II“.

Mit der für König Ludwig so typischen „Melone“ auf dem Kopf begann er seinen Vortrag.

Als kunstvolle Unterstützung begleitete ihn die Malerin Beate Borgmann, die ihre bewegende Geschichte schilderte. Sie erkrankte schwer an Brustkrebs und die Ärzte machten ihr keine große Hoffnung diesen zu überleben. Doch dann traf sie den Psychotherapeuten Dr. Ludwig K., der ihr durch seine Therapie ihren Lebensmut wieder gab. Sie wurde durch König Ludwig II. zur Malerei inspiriert und erstellte innerhalb kürzester Zeit wundervolle Fresken des Königs. Sie hat durch die Hilfe von Ludwig K. und die Inspiration zur Malerei den Krebs besiegt. Zufall? Ist sie ein Beispiel dafür, wie sehr König Ludwig II. die Menschen berühren und vor allem durch Inspiration zur Kunst durch schwere Zeiten helfen kann? Ludwig K. brachte uns die Bedeutung der Psychologie an diesem Abend ein ganzen Stück näher.

Zu den Zeiten von Ludwig II. wurde mit psychisch kranken Menschen hart umgegangen. Sie wurden verprügelt oder gar gequält und abgeschoben.

Ludwig K. brachte den sehr lehrreichen Satz „Wenn man nicht aus den Fehlern lernt, macht man sie immer wieder.“ Aus der Geschichte des Königs hat die Psychologie anscheinend nicht gelernt, denn Ludwig K. schilderte uns einen ähnlichen Fall, der sich in der heutigen Zeit in München ereignete. Ein Mann wurde entmündigt und für unzurechnungsfähig erklärt, obwohl er niemals zuvor untersucht wurde. Dieser Mann musste lange um seine Würde kämpfen. Am Ende stellte sich heraus, dass die Verwandten dieses Mannes nur an das Geld, desselben wollten. Wie, fragt man sich, kann so etwas in der heutigen Zeit noch passieren? Haben wir also nichts aus den Fehlern, die an König Ludwig begangen wurden gelernt? Die klare Antwort müsste lauten – Nein!

Dr. Ludwig K. brachte uns auch das Übersinnliche näher. So berichtete er von zwei älteren Damen, denen regelmäßig der König erscheint. Gebannt lauschte das Publikum, als er die aufgeschriebenen Worte einer Gruppe wiedergab, die Ludwig II. bei einer Erscheinung zu ihnen gesagt hatte.

Ludwig II. galt in seinem Umfeld stets als belesen, intelligent und war für sein überaus beeindruckendes Gedächtnis bekannt. Sein Leibarzt, der regelmäßig bei dem König war, stellte niemals eine Geisteskrankheit fest, sondern sagte, dass der König stets voll seiner geistigen Kräfte war. Wie also kann man das Urteil eines Arztes, der den König nicht einmal untersucht hat, über das des Leibarztes stellen, der ihn regelmäßig sah.

Schon nach der Geburt begann  das Drama Ludwig II. Er konnte keine Beziehung zu seiner Mutter aufbauen, da es in Adelskreisen zur damaligen Zeit üblich war, dass Kinder von einer Amme großgezogen wurden. Ludwigs Amme verstarb als er gerade acht Monate alt war, und wie bewiesen ist, werden Menschen von schlechten, frühkindlichen Erlebnissen ihr Leben lang geprägt. Zu seinem Vater hatte er ein sehr kühles Verhältnis, er war sehr streng und lies seine Söhne sogar zur Strafe hungern, dies machte es Ludwig unmöglich zu seinem Vater eine enge Beziehung auf zu bauen.

Ludwig hatte es als König nicht leicht. Mit gerade mal achtzehn Jahren bestieg er nach dem plötzlichen Tod von Maximilian II., völlig unerfahren und unvorbereitet auf dieses hohe Amt den Thron. Er musste immer wieder Enttäuschungen erleben. Als friedliebender Mensch, musste er ein Land durch zwei grausame Kriege führen und die Eigenständigkeit Bayerns aufgeben.

Ludwig II. tat das, was alle Menschen tun. Er entwickelte eine psychische Abwehr, auch Verdrängung genannt.

Viele Menschen sehen in König Ludwig II. heute noch den verrückten König. Ist Verrücktheit aber nicht immer auch Ansichtssache? Ist normal das was wir sehen, manche Menschen sehen anders.

Aber es gibt auch die anderen Menschen, die inspiriert werden, durch den König. Die sich mit dem König identifizieren. Auch heute noch haben es Menschen schwer, die nicht mit der Masse gehen sondern „Sonderlinge“ sind. Sie ecken oft an, werden nicht verstanden, ja gar für verrückt erklärt.

Dr. Ludwig K. liegt vor allem auch am Herzen den König zu rehabilitieren, ihm seine Würde zurück zu geben. Ihn nicht als geisteskranken Mörder und Selbstmörder in der Geschichte zurück zu lassen. Mit seinem Vortrag über die Psyche der Menschen und mit einigen Sätzen die nachdenklich stimmten, hat er seine Zuhörer näher an die Psyche König Ludwig II. herangeführt.

Dr. Ludwig K. las seinen Zuhörern ein sehr bewegendes Gedicht von Markus Schmitt vor. Dies umfasste vielleicht nicht ganz historisch genau, aber mit einem großen Verständnis das Leben des Königs. Erst am Ende verriet Dr. Ludwig K. seinen Zuhörern, wie alt der Schreiber zu seiner Zeit war, gerade einmal fünfzehn Jahre alt. Daran wollte er zeigen, wie vor allem auch junge Menschen sich mit Personen identifizieren und verstehen.

Ludwig K. beendete seinen Vortrag mit einem schönen Satz „in uns allen steckt ein König Ludwig.“

Verfasserin: Alexandra Schedel

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